Risiken zu managen ist bei Investmentfonds das A & O. Doch wie funktioniert das in der Praxis? Volatilität, Draw Down, SRRI: Das sind nur einige Risikokennzahlen, die bei der Risikobewertung eine Rolle spielen (können). Wir zeigen Ihnen, worauf es hierbei ankommt und warum Kennzahlen nur eine begrenzte Aussagekraft haben.

In den vergangenen beiden Ausgaben unserer Reihe „Wie Sie einen erfolgreichen Fonds erkennen“ haben wir uns intensiv mit verschiedenen Kennzahlen und qualitativen Kriterien beschäftigt.

In dieser Ausgabe fokussieren wir uns auf die Risikoseite von Fonds. Wir gehen der Frage nach, wie Risiken in einem Fonds gemessen und gemanagt werden.

Strukturelle Risiken

Beginnen wir zunächst mit der Frage, welchen Risiken grundsätzlich bei Fonds gegeben sind. Vereinfacht können folgende Risikoquellen genannt werden:

Risiken aus…

  • Kursschwankungen
  • Währungspositionen
  • Zinspositionen
  • Diversifikationsrisiken
  • Managerrisiken (Allokation, Timing)
  • Markverwerfungen

Anleger unterliegen also diesen strukturellen Risiken grundsätzlich bei einem Engagement in Investmentfonds. Die spannende Frage ist nun, wie Fondsmanager diesen Risiken begegnen.

Quantitative Risikokennzahlen: Ein Blick in die Vergangenheit

Bei der Bewertung von Investmentfonds berechnen wir im Research verschiedene Kennzahlen. Eine sehr bekannte Kennzahl ist die Volatilität. Was sagt sie aus? Sie gibt an, wie stark die einzelnen Fondsrenditen von ihrem Mittelwert abweichen.

Oder vereinfacht dargestellt: Die Volatilität ist ein Maß der Renditeschwankung. Je niedriger die Volatilität ist (bzw. war, da sie ja immer einen Vergangenheitswert darstellt), desto ruhiger lief der Fonds. Und umgekehrt: Je höher der Wert, desto stürmischer war das Fahrwasser. Die Volatilität wird als prozentualer Wert abgegeben und in der Regel annualisiert.

Das Problem dabei: Der Wert sagt nichts darüber aus, wie die Renditeschwankungen zustande kamen. Lag es am Markt oder am Fondsmanagement (Strategie, Allokation, Selektion usw…)? Und kamen die Schwankungen eher aus fallenden (Downside Volatilität) oder aus steigenden Kursen (Upside Volatilität)? Letzteres wäre nicht per se ein Malus.

Übrigens: Die Risikoskala Synthetic Risk and Reward Indicator (SRRI) auf den Fonds-Informationsblättern KID beruht ausschließlich auf der Volatilität.

Eine unserer Meinung nach intuitivere Risikomesszahl ist der sogenannte „Maximum Draw Down“. Oder auf Deutsch: Maximaler Verlust. Im Gegensatz zur Volatiität ist dieser leicht zu berechnen und für Anleger intuitiv nachvollziehbar. Er gibt an, wie stark ein (zwischenzeitlicher) Verlust zwischen einem Höchststand und dem darauffolgenden Tiefststand bei der Wertentwicklung war.

Beispiel: Hat ein Fonds zu Beginn eines betrachteten Zeitraums (beispielsweise fünf Jahre) einen Höchststand von 200 gehabt und fiel der Wert auf 80, so liegt der Maximale Verlust in dieser Historie bei 120. Damit zeigt sich der genannte Vorteil der intuitiven Nachvollziehbarkeit. Denn ein gegebener Verlust von 120 ist für jedermann verständlich – im Gegensatz zu einer komplexen Berechnung der Volatilität.

Freilich hat auch diese Kennzahl einen Nachteil: Sie ist eine historische Betrachtung. Fällt der betrachtete Zeitraum eher auf eine ruhige oder gar steigende Marktphase, kann dies zu Fehlinterpretationen der Fondsrisiken führen.

Eine weitere bekannte Kennzahl ist der Value at Risk (VaR). Er sagt aus, welchen Verlust (beispielsweise auf Monatsbasis) ein Anleger mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit nicht überschritten hätte. Damit wird den extremen Ausschlägen Rechnung getragen.

Beispiel: Liegt der VaR (95%) bei -10% auf Monatsbasis so bedeutet das, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% die einzelnen Monatsverluste eben diese 10% nicht überschritten haben.

Diese Kennzahl ist durchaus sehr sinnvoll, spiegelt sie doch die extremen Werte wieder. Aber Sie ahnen es schon: Auch hier ist die Vergangenheitsbetrachtung ein Manko.

Entscheidend: Der Blick hinter die Kulissen

Alle genannten quantitativen Kennzahlen können einen ersten Eindruck in puncto Risiken liefern. Insbesondere wenn es um den Vergleich von einzelnen Fonds geht. Wenn wir aber verstehen wollen, welche Risiken auf uns als Anleger in der Zukunft zukommen, müssen wir auch einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Alle Fonds haben zwar ein Risikomanagement. Jedoch ist dieses unterschiedlich aufgestellt und in der Ausprägung der Qualität in der Breite sehr heterogen. Es geht dabei um die Frage, wie das Fondsmanagement mit den genannten Risiken umgeht.

Folgende Prüfkriterien stehen bei uns beispielsweise im Fokus:

  • Ist das Risikomanagement integrativ im Anlageprozess eingebunden oder hat es nur eine Berichtsfunktion?
  • Tiefe der Risikomanagementprozesse
  • Qualifikation der entscheidenden Personen (Manager, Analysten, Risk Controlling)
  • Verwendete Systeme
  • Personenrisiken (beispielsweise Vertretungsregelungen)
  • Limitvorgaben
  • Vorgaben bei aktiven Risiken
  • Systemrisiken
  • Unternehmensrisiken
  • Stress Tests

Erst die ganzheitliche Analyse zeigt uns, wie das Risiko eines Fonds tatsächlich zu bewerten ist. Quantitative Kennzahlen sind dabei wichtig. Sie sind jedoch in ihrer Aussagekraft limitiert. Die qualitative Bewertung fördert strukturelle Risiken zu Tage, die bei der Anlageentscheidung berücksichtigt werden müssen.

In unserer nächsten Ausgabe aus dieser Reihe steigen wir tiefer in das Thema Risikomanagement ein.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Gerne stehe ich Ihnen unter sasa.perovic@bfv-ag.de zur Verfügung!

Lesen Sie auch die anderen Teile unserer Serie:

Über den Autor

Sasa Perovic

Sasa Perovic ist Ansprechpartner für das Investment Research sowie für unsere Produktpartner.
Er steht Vermittlern bei Fragen zu Kapitalmärkten, Investmentfonds, Portfoliostrukturierungen uvm. zur Verfügung und ist für einen Großteil der Publikationen im Research Bereich zuständig. Hier kommt ihm seine mehrjährige Erfahrung zu Gute, die er auch seit einigen Jahren für die Erstellung eigener Publikationen in diesem Sektor nutzen konnte.

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