Kundengelder richtig anzulegen ist das A & O eines aktiven Portfoliomanagements. Doch was bedeutet das genau? Sicher ist: Die Streuung des anzulegenden Kapitals sollten Sie nicht dem Zufall überlassen. Denn es gilt als gesichert, dass 90% des Anlageerfolges (oder Misserfolges) durch die Allokation begründet sind. Und auch die Wahl der richtigen Investmentfonds kann dabei das Zünglein an der Waage sein.

Jakob Fugger. Sie werden diesen Namen sicher kennen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war er der reichste Geschäftsmann der Welt. Sein Erfolgsgeheimnis ist leicht erklärt. Schon früh hat er begriffen, dass die richtige Streuung von Kapital und Risiken das Vermögen auf fast wundersame Art und Weise mehrt. Der Augsburger Kaufmann, der die Prägehochheit über die Münzen der Päpste besaß, begann mit dem Handel von Edelmetallen. Die Gewinne investierte er nach einer einfachen Strategie. Er verteilte sie auf vier Säulen: Anleihen, Immobilien, Gulden und natürlich neue Geschäfte.

Warum Markowitz in der Realität nicht funktioniert

Das Prinzip hat auch heute noch Gültigkeit. Es ist sinnvoller denn je, das Vermögen zu streuen. Langfristig ist das die beste Art der Geldanlage, auch wenn gefühlt 99% der Anleger hier gröbste Fehler machen.

Abhilfe verspricht hier die Portfoliotheorie von Markowitz. Benannt nach Ihrem Schöpfer – der übrigens auch den Nobelpreis dafür erhielt – sorgt sie für eine optimale Streuung der Anlage. In der Theorie zumindest. Denn in der Praxis stößt dieses Modell sehr schnell an seine Grenzen.

So ist beispielsweise das von Markowitz formulierte „Marktportfolio“ in der Praxis nicht reproduzierbar und somit für Anleger untauglich. Aber auch der sogenannte risikolose Zins erweist sich als Trugschluss.  Es gibt keine risikolosen Anlagen. Gern genommene Investment Grade Staatsanaleihen werfen im aktuellen Niedrigzinsumfeld häufig nur noch negative Renditen ab und sorgen so bereits von Beginn an für Verluste.

Und ein weiterer, praktischer Grund spricht gegen den Erfolg dieser Theorie. Die entscheidenden Inputparameter sind Rendite und Risiko jeder einzelnen Anlageklasse. Leider werden dafür in der Praxis immer nur historische Werte genommen – wider besseren Wissens. Der Grund ist einfach: Diese Parameter richtig zu schätzen ist extrem schwierig.

Wie wichtig die richtige Streuung ist, zeigt die häufig zitierte Studie des US-Ökonomen Gary Brinson. 1986 wertete er 91 US-Pensionsfonds aus. Das Ergebnis: 90% des Anlgeerfolges ließen sich durch die Allokation des Kapitals erklären.

Wer ein Portfolio sinnvoll streuen möchte, sollte dabei folgende Punkte beachten:

  1. Was sind die Ziele der Geldanlage? Langfristiger Vermögensaufbau oder mittelfristige Anlage? Sowohl die Aktienquote als auch die Auswahl der Produkte richten sich hiernach.
  2. Wie ist die Risikobereitschaft des Anlegers? Dabei geht es nicht um die Schwankung der Renditen (gemessen in „Volatilität“), sondern auch um zwischenzeitliche Verluste (Draw Downs). Die Corona Krise ist ein gutes Beispiel. Wer keine zwischenzeitlichen Draw Downs erleiden möchte, muss sein Portfolio entsprechend aufstellen.
  3. Sinnvolle Streuung: Die Betonung liegt auf „sinnvoll“! Ob die Strategie von Fugger heute noch die ideale Lösung ist, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass Streuung falsch gelebt wird. Streuung bedeutet nicht, dass ein Markt über mehrere Fonds abgedeckt wird. Vielmehr geht es darum, verschiedene Märkte, Themen, Trends und Stile so miteinander zu kombinieren, dass sich die einzelnen Schwankungen gegenseitig minimieren. Wie das genau funktioniert, haben wir bereits mit dem Thema „Korrelationen“ in unserem log besprochen.)
  4. Sinnvolle Produkte auswählen: Auch wenn die Portfolioallokation entscheidend für den Anlegerfolg ist, liefern sinnvoll ausgewählte Fonds einen signifikanten Mehrwert. Gerade wenn es darum geht, welchen Beitrag ein Fonds zur Risikostreuung und Rendite liefern kann, wird leider viel zu selten eine dezidierte Fondsanalyse durchgeführt.
  5. Edelmetalle und Rohstoffe berücksichtigen: Je nach Marktsituation können Rohstoffe und Edelmetalle Ihr Portfolio stabilisieren, was sich häufig gerade in Krisenphasen bemerkbar machen kann.
  6. Market Timing: Kaum jemand ist in der Lage, durch Market Timing einen langfristigen Mehrwert zu generieren. Beim Portfolioaufbau sollte eher ein langer Atem gegeben sein, ohne sich dabei von kurzfristigen Stimmungen leiten zu lassen. Leider machen zu viele Anleger den Fehler, erst dann in riskantere Assets einzusteigen, wenn die Hausse schon wieder (fast) vorbei ist.

Fazit: Wer bei der Portfoliokonstruktion einige Punkte beachtet, hat schon viel richtig gemacht. Die richtige Streuung ist langfristig der entscheidende Erfolgsfaktor. In unserer nächsten Ausgabe steigen wir detaillierter in die Portfoliokonstruktion ein und zeigen Ihnen, wo die Fallstricke lauern.

Über den Autor

Sasa Perovic

Sasa Perovic ist Ansprechpartner für das Investment Research sowie für unsere Produktpartner.
Er steht Vermittlern bei Fragen zu Kapitalmärkten, Investmentfonds, Portfoliostrukturierungen uvm. zur Verfügung und ist für einen Großteil der Publikationen im Research Bereich zuständig. Hier kommt ihm seine mehrjährige Erfahrung zu Gute, die er auch seit einigen Jahren für die Erstellung eigener Publikationen in diesem Sektor nutzen konnte.

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