Investment Research aktuell – Angst vor einer globalen Pandemie

Die Angst vor einer globalen Pandemie durch das Coronavirus verstärkt sich und erfasst nun auch die Aktienmärkte – Eine Einschätzung der Lage mit möglichen Auswirkungen und aktuellen Änderungen in den BfV-Vermögensverwaltungsstrategien.

Die letzten Handelstage waren global von panikartigen Abverkäufen der Aktienmärkte geprägt. Nachdem die Zahlen bestätigter Infektionen und Tode, die das Coronavirus weltweit forderte, über das Wochenende abermals deutlich anstieg, werden die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft nun doch deutlich negativer bewertet. Ausschlaggebend dafür sind vor allem der starke Anstieg der Infektionszahlen in Südkorea – einem wichtigen Produktions- und Absatzland in der globalen Wirtschaftskette – und die plötzliche Ausbreitung des Virus in Norditalien. Dort wurden vergangenes Wochenende Städte abgeriegelt, Fußballspiele und der venezianische Karneval abgesagt und Österreich hat Grenzübergänge geschlossen. Somit ist die Thematik final im Westen angekommen und nicht mehr nur eine Erscheinung im fernen Asien, was zur vermehrten Verunsicherung der Bevölkerung und der Marktteilnehmer führt.

Dazu trägt auch das außergewöhnliche Wesen des Coronavirus bei. So kann es in extremen Fällen bis zu 27 Tage dauern, bis sich nach einer Infektion Symptome der Krankheit äußern und selbst nach dem sich die Betroffenen auskuriert haben, können sie immer noch ansteckend auf andere Menschen wirken. Dies führt dazu, dass eigentlich bereits genesene Personen wieder unter Quarantäne gestellt werden. Die Sterbefälle beschränken sich bisher zwar nur auf ältere oder anderweitig kranke oder geschwächte Personen, dennoch sind die Administrationen in Alarmbereitschaft und treffen entsprechende Maßnahmen, wie nun in Italien und Österreich geschehen. Unterdessen wird in China nun wohl teilweise doch schon wieder dazu übergegangen Produktionsstätten früher als noch letzte Woche geplant wieder zu öffnen. Das kann sich als fatal erweisen. Der chinesischen Regierung scheint hier die Wirtschaft wichtiger zu sein als die Gesundheit ihrer Bürger. Sollte sich der Virus dadurch in den nächsten Wochen noch deutlich stärker verbreiten, würde das die Position der Administration nachhaltig schwächen. Bereits jetzt drücken zahlreiche Bürger Chinas im Internet ihren Unmut über das Handeln der Verantwortlichen aus.

Die Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft und damit auf die Weltwirtschaft sind bereits jetzt gravierend und keinesfalls zu unterschätzen. Faktisch befindet sich 80% der chinesischen Wirtschaft seit ca. 3 Wochen in einem kompletten Shut-Down. So etwas gab es zuvor noch nicht, was auch ein Grund dafür ist, dass die aktuelle Situation nicht mit der rund um das SARS-Virus in den Jahren 2002/2003 zu vergleichen ist. Zudem hat Chinas Wirtschaft heute mit 17% einen deutlich höheren Anteil am Welt-BIP und mit 30% am Weltwirtschaftswachstum. Die optimistischsten Ökonomen sehen ein Rückgang des BIP’s Chinas im Jahr 2020 von 0,5%-Punkte, die pessimistischsten um bis zu 3%-Punkte. Da die offiziellen chinesischen Wirtschaftszahlen bekanntermaßen mit Vorsicht zu genießen sind, werden wir die Wahrheit wohl nie erfahren. Der PKW-Absatz ist jeweils in der ersten Februarhälfte um 92% zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Eine solche Zahl lässt Schlimmes erwarten. Vor allem für kleine Unternehmen – wie bspw. Restaurants – kann sich die Krise als fatal erweisen, denn ein Drittel von ihnen verfügt nur über ein Liquiditätspolster von einem Monat und ein weiteres Drittel nur für 2 Monate. Bricht ein großer Teil der Einnahmen weg sind diese schnell aufgezehrt und in diesem Segment ist es fraglich ob der Staat unterstützend unter die Arme greift. Somit kann diese Krise im schlimmsten Fall die Nadel sein, die die chinesische Kreditblase zum Platzen bringt, was entsprechend fatale Auswirkungen auf die Kapitalmärkte hätte. Die chinesische Verschuldung hat kürzlich erst die Marke von 300% zum BIP
überschritten.

Für das deutsche Wachstum hat bspw. die LBBW ihre Wachstumsprognose von 0,6% auf 0,4% abgesenkt. Diese ist bekanntlich relativ abhängig von China als Absatz- und Produktionsland. Die Verunsicherung der Unternehmen ist allemal gegeben, was sich in zurückgehenden Investitionstätigkeiten bereits bemerkbar macht und das in einer Phase, in der die Wachstumszahlen sowieso schon rückläufig sind. Der Virus könnte, sollte er nicht schnell eingedämmt werden, sich weiterverbreiten und damit längerfristige Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, vielen Volkswirtschaften und im Endeffekt auch dem Aktienmarkt den Gnadenstoß versetzen, denn durch den Shut-Down Chinas werden die Lieferketten massiv gestört. Unternehmen wie bspw. Apple haben bereits angekündigt die Umsatzziele nicht erreichen zu können. Die wichtigen Zentralbanken haben direkt angekündigt mit Liquidität und ggf. weiteren Maßnahmen notfalls unterstützend zur Seite zu stehen, was jedoch auch zurückgehende Unternehmensumsätze und -gewinne nicht aufhalten dürfte. In Europa lässt sich aus den Geldmärkten eine Wahrscheinlichkeit von 50% ableiten, dass die EZB den Einlagensatz im Juli auf -0,6% weiter absenkt. Ob eine solche Zinssenkung überhaupt noch großartig positive Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben kann/wird ist mittlerweile auch im Mainstream höchst umschritten. Im Endeffekt wird es in Bezug auf die Aktienmarktteilnehmer darauf ankommen, wie viel Vertrauen sie in die Macht der Zentralbanken haben, die Märkte künstlich oben zu halten. Wenn die optimistische Stimmung des letzten Jahres kippt und die hohen Bewertungen dann doch mal als zu hoch eingeschätzt werden sollten, ist mit erheblichem Korrekturpotenzial zu rechnen.

Abseits der Aktienmärkte haben die Kurse bereits deutlich früher reagiert. So ist die Rendite zehnjähriger
US-Staatsanleihen von ihrem Hoch Ende Dezember bei 1,94% auf aktuell 1,36% gefallen. Dies entspricht auch ihrem Allzeittief. Die zweijährige liegt derweil bei 1,26% und damit deutlich unter dem Leitzins von 1,75%. Hier ist also ebenfalls mit weiteren Zinssenkungen in den nächsten Monaten zu rechnen. Weitere sichere Häfen wie der US-Dollar und Gold konnten ebenfalls deutlich zulegen. In Euro notiert Gold nun deutlich über seinem Rekordhoch von 1.390€ aus dem Jahr 2012 und in US-Dollar gerechnet befindet es sich ebenfalls auf dem besten Weg dorthin.

In unseren drei Vermögensverwaltungsstrategien nahmen wir per 25.02.2020 folgende Umschichtungen vor:

BfV Protect:

  • Verkauf des Aktienstrategiefonds SQUAD MAKRO (4%) zur Risikoreduktion im Aktienbereich
  • Erhöhung des Goldminenaktienfonds Bakersteel Global Funds SICAV – Precious Metals um 2%
    auf 4% als Diversifikator (geringe Korrelation zum breiten Aktienmarkt, Gold als Krisenprofiteur)
  • Kauf 2% Nordea 1 – Low Duration European Covered Bond Fund praktisch als Kasseersatz

BfV Allrounder:

  • Verkauf Morgan Stanley Asia Opportunity Fund (5%) zur Risikoreduktion im
    Emerging Markets/High Beta Bereich
  • Verkauf iShares MSCI Russia ETF (2,5%) zur Risikoreduktion im Emerging Markets/High Beta Bereich
  • Verkauf DWS Brazilian Equities (2,5%) zur Risikoreduktion im Emerging Markets/High Beta Bereich
  • Verkauf iShares Listed Private Equity ETF (4%) zur Risikoreduktion im High Beta Bereich
  • Verkauf BNP Paribas Disruptive Technology (4%) zur Risikoreduktion im High Beta Bereich
  • Verkauf Threadneedle Global Extended Alpha (3%) zur Risikoreduktion im High Beta Bereich
  • Halbierung des BlackRock Emerging Markets Equity Strategies von 5 auf 2,5% zur Risikoreduktion
    im Emerging Markets/High Beta Bereich
  • Erhöhung BNY Mellon Global Short-Dated High Yield Bond von 3 auf 5% als Diversifikator
  • Erhöhung des Goldminenaktienfonds Bakersteel Global Funds SICAV – Precious Metals von 5 auf
    7,5% als Diversifikator (geringe Korrelation zum breiten Aktienmarkt, Gold als Krisenprofiteur)
  • Erhöhung Flossbach von Storch Multiple Opportunities von 5 auf 8% zur Senkung des allgemeinen Betas
  • Kauf 8% AB SICAV Low Volatility Equity Portfolio zur Senkung des Aktienbetas
  • Kauf 8% Nordea 1 – Low Duration European Covered Bond Fund praktisch als Kasseersatz
  • Insgesamt Reduzierung der Aktienquote von 48 auf ca. 37% und deutliche Senkung des Aktienbetas

 

BfV Allrounder:

  • Verkauf iShares Emerging Markets Infrastructure ETF (5%) zur Risikoreduktion im
    Emerging Markets/High Beta Bereich
  • Verkauf des BlackRock Emerging Markets Equity Strategies von (4%) zur Risikoreduktion
    im Emerging Markets/High Beta Bereich
  • Reduzierung Robeco Smart Mobility Fund von 5 auf 3% zur Risikoreduktion im High Beta Bereich (Automobilbranche wahrscheinlich stärker betroffen von Krisensituation)
  • Halbierung Robeco Consumer Trends Equities von 6 auf 3% zur Risikoreduktion im High Beta Bereich
  • Erhöhung des Goldminenaktienfonds Bakersteel Global Funds SICAV – Precious Metals von 7 auf 8%
    als Diversifikator (geringe Korrelation zum breiten Aktienmarkt, Gold als Krisenprofiteur)
  • Erhöhung Nordea Global Climate & Environment Fund von 6 auf 7%, da diese Unternehmen
    wahrscheinlich von Krisensituation wenn überhaupt nur geringfügig betroffen sein werden
  • Erhöhung des DPAM INVEST B Equities Sustainable Food Trends von 5 auf 6%, da diese Unternehmen wahrscheinlich von Krisensituation wenn überhaupt nur geringfügig betroffen sein werden
  • Erhöhung des iShares Global Infrastructure ETF von 5 auf 6% als defensiverer Baustein zum breiten
    Aktienmarkt (ca. 52% Versorger und 8% Immobilienaktien im Bestand)
  • Kauf 5% Nordea 1 – Low Duration European Covered Bond Fund praktisch als Kasseersatz
  • Kauf 5% MainFirst Contrarian Opportunities als defensiver Aktienstrategiefonds (Diversifikator mit
    geringer Korrelation und Beta zum breiten Aktienmarkt)
  • Insgesamt Reduzierung de Aktienquote um 5% (praktisch um 10%) und nochmals Senkung des
    Betas zum breiten Aktienmarkt auf nun unter 0,6

Über den Autor

Marc Sattler

Marc Sattler verantwortet im Vorstand die Bereiche Vermögensverwaltung (PRIVATE INVESTING), Investment Research und Digitalisierung. Als Ansprechpartner für die Vermögensverwaltung steht er institutionellen- und Partner-Anlageberatern mit individuellen Anlagekonzepten und Depotanalysen zur Seite.

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