Teil 1: Fan- und Stadt-Anleihen

Das „Einsammeln von Geld“ mit Hilfe von Anleihen ist bei Fußballvereinen mittlerweile legendär. Sie pumpen systematisch ihre Anhänger an und spekulieren darauf, das Geld behalten zu können. Oft mit großem Erfolg.
Der Fußballverein ist gut beraten, die Anleiheemissionen als Event zu zelebrieren: Gegen Bares vertreibt er die Anleihe, gerahmt und von populären Spielern signiert, „im Spielertunnel“.
Finanzierungszwecke sind oft Fußballstadien, so etwa bei der St. Pauli Anleihe, die den Emissionsbetrag zum Bau der Nordtribüne, der Gegengerade und des Trainingszentrums investierte.
Der Mantel der Anleihe zeigt das St. Pauli Symbol. Der Bogen enthält sieben Abbildungen von Spielern mit einem Kupon von je 6 %.

St. Pauli offerierte allen 5.000 Zeichnern die Rückzahlung. Verbunden damit war die Bitte, das zurückgezahlte Geld für den Bau eines neuen Kunstrasenplatzes zu spenden: „Wir freuen uns über jeden Euro“.
Bei der Alemannia Aachen diente das Geld, über 4 Millionen Euro, ebenfalls dem Stadionbau. 6 % Zinsen wurden ausgelobt. Es folgte der Abstieg in die vierte Bundesliga. Die Werbeerträge und die Einnahmen aus Fernsehrechten schrumpften. Am Ende stellte sich die Tivoli-Anleihe als nicht insolvenzfest heraus und die Gelder wurden Teil der Insolvenzmasse. Die Käufer gingen leer aus.
Auch die Fananleihe von Arminia Bielefeld erlitt ein ähnliches Schicksal. So blieb den Fans nur die „emotionale Rendite“.
Zählen zu Ihren Kunden auch Fans von Schalke 04, Hertha BSC Berlin, Hansa Rostock, 1. FC Köln und MSV Duisburg? Jede Anleihe hat ein eigenes Schicksal.

Die 2012 begebene Jubiläumsanleihe des HSV sollte dem Bau eines Nachwuchsleistungszentrums dienen, wurde aber dazu genutzt, Löcher im laufenden Etat zu stopfen. Die Refinanzierung erfolgte über eine neue Anleihe mit Risikozuschlag beim Zins.

In diesem Zusammenhang bietet sich ein Brückenschlag zur prächtigen Städteanleihen an: hier die Anleihe der Stadt Hamburg.

 Fans des FC Bayern könnte die Stadtanleihe von München ansprechen, ein besonders schönes Exemplar mit einem Kupon von 7 %.

Eine weitere Spielart der Anleihen mit Fußball-Bezug sind die reinen Schmuckanleihen. So hatte die Westhyp aus Dortmund anlässlich der Meisterschaft der Borussia diese Anleihe emittiert. Auf Mantel und Bogen befindet sich jeweils eine große, farbige Abbildung der Mannschaft mit Meisterschale.

Fazit: Wer eine „emotionale Rendite“ möchte, ist bei Fan-Anleihen gut aufgehoben. Es kann gut sein, dass am Ende des Tages das Papier auch einmal mehr Wert ist als das Investment selbst.

Im zweiten Teil dieser Reihe geben wir einen Einblick zu Nonvaleurs von Betrugsfällen. Im dritten Teil thematisieren wir Chancen und Risiken auf dem Markt für Nonvaleurs.

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