Ende August wurde die Anteilsausgabe und -rücknahme der Fonds des britischen Asset Managers um Fondsmanager Bruno Crastes ausgesetzt. Wie kam es dazu?

Im Juni 2019 wurde durch einen Artikel in der Financial Times bekannt, dass die Fonds einen Teil in Anleihen der Tennor Holding investiert haben. Bekannt ist das Unternehmen durch den deutschen Unternehmer Lars Windhorst – soweit eigentlich nichts Ungewöhnliches. Brisant war das Ganze, weil die Papiere illiquide waren, also nicht jederzeit handelbar und die Bewertung der Papiere aus ebendiesem Grund nur schwer möglich. In der Folge wurden einige Mrd. EUR aus den damals 30 Mrd. EUR in den Fonds abgezogen. H2O hat angekündigt diese Papiere in der Folge veräußern zu wollen.

Dazu ist es aber nicht gekommen. Stattdessen wurden sogenannte Repo-Geschäfte (Verkaufs- und Rückkaufgeschäfte) gemacht. Bei diesen Geschäften erhält ein Fonds oder eine Institution Geld im Tausch gegen Wertpapiere. Als Sicherheit werden normalerweise Anleihen mit sehr hoher Bonität hinterlegt. Im März dieses Jahres verloren die H2O Fonds teilweise sehr stark an Wert. Der Anteil der Tennor Papiere erhöhte sich dadurch prozentual in den verschiedenen Portfolios. Ende August wurden durch die französische Aufsichtsbehörde 3 Fonds geschlossen, H2O schloss daraufhin auch 4 weitere Fonds, um wie es hieß alle Anleger gleich zu behandeln. Im September wurden die Quoten der illiquiden Wertpapiere veröffentlicht. Diese beschränken sich dabei allerdings nicht nur auf die ausgewiesenen Tennor Anleihen, sondern bezogen auch die erwähnten Repo-Geschäfte mit ein. Als Pfand wurden nämlich weitere Anleihen der Tennor Gruppe hinterlegt, die genauso illiquide waren und sind. Somit belief sich die tatsächliche Illiquiditätsquote der Fonds auf geschätzte 7-35%! Die sog. Trash-Quote darf bei Publikumsfonds maximal 10% betragen. Vor diesem Hintergrund wird die Schieflage in den Fonds sichtbar

Die Gesellschaft hat im September begonnen die Fonds in zwei Teile aufzuteilen – einen mit den liquiden Vermögenswerten und einen mit den illiquiden Papieren. Die Öffnung der Fonds wurde zu heute (13.10.2020) angekündigt.

Aus unserer Sicht ist die Informationspolitik und Transparenz aus dem Hause H2O als äußerst fragwürdig zu beurteilen. Das Thema Illiquidität ist von außen immer sehr schwierig zu beurteilen. Hier nun sieht man im Nachhinein wie es tatsächlich um die jederzeitige Kauf- und Verkaufbarkeit der Wertpapiere im Portfolio der Fonds bestellt war. Aus unserer Sicht sollte dieses Beispiel keine Schule machen. Ein weiteres Engagement in den Fonds können wir nicht empfehlen.

Über den Autor

MARC HAEGERT

Marc Haegert fungiert als Ansprechpartner für das Investment Research sowie für unsere Produktpartner. Er verantwortet im Rahmen der Vermögensverwaltung das Fondsresearch und die Strategien der Vermögensverwaltung und steht Advisorn und Vermittlern bei Fragen zu PRIVATE INVESTING Strategien zur Verfügung. Der Diplom-Kaufmann sammelte jahrelange Erfahrung als Endkundenberater mit eigenen Musterportfolios und Empfehlungslisten mit breitem Zugang zu Produktanbietern.

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